Stand: September 2026
Das Altersvorsorgedepot soll 2027 starten. Die staatliche Förderung steht weitgehend fest. Was noch fehlt, sind viele der konkreten Angebote der Depotanbieter.
Die eigentliche Entscheidung für Verbraucher lautet aber nicht: Welches Altersvorsorgedepot soll ich wählen?
Sondern zunächst: Wie viel Altersvorsorge kann ich mir leisten? Und wie viel Produkt brauche ich überhaupt?
Denn ein komplexeres Produkt ist nicht automatisch ein besseres.
Kann ich mir ein Altersvorsorgedepot überhaupt leisten?
Es klingt paradox: Der Staat fördert die Altersvorsorge – und trotzdem kostet sie zunächst Geld.
Mindestens 120 Euro müssen im Jahr eingezahlt werden, um die Grundzulage zu erhalten. Das entspricht 10 Euro im Monat.
Die Förderung ist besonders bei kleinen Beiträgen hoch: Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr gibt der Staat 50 Prozent hinzu. Für darüber hinausgehende Beiträge bis zu insgesamt 1.800 Euro beträgt die Zulage 25 Prozent. Ohne Kinder sind damit bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr möglich.
1.800 Euro Eigenbeitrag entsprechen allerdings 150 Euro im Monat.
Und genau hier beginnt die eigentliche Entscheidung.
Kernfrage: Wie hoch kann ich meine Sparrate realistisch ansetzen?
Die Antwort ist individuell. Eine Sparrate sollte aber nicht so hoch sein, dass dadurch regelmäßig das Girokonto ins Minus rutscht.
Wer beispielsweise teure Dispozinsen bezahlt, um gleichzeitig die maximale staatliche Förderung für die Altersvorsorge mitzunehmen, hat möglicherweise an der falschen Stelle optimiert.
Die maximale Förderung ist deshalb nicht automatisch das richtige Ziel.
Auch ein Einstieg mit einem kleineren Beitrag kann sinnvoll sein. Entscheidend ist, dass die Sparrate langfristig zum eigenen finanziellen Spielraum passt.
Was darf das Altersvorsorgedepot kosten?
Je kleiner das Vermögen, desto wichtiger ist ein kritischer Blick auf die Kosten. Denn Kosten reduzieren die Rendite. Jedes Jahr aufs Neue.
Beim Altersvorsorgedepot wird es grundsätzlich die Möglichkeit geben, Anlageentscheidungen selbst zu treffen. Daneben müssen Anbieter ein sogenanntes Standarddepot anbieten oder ein entsprechendes Produkt eines Kooperationspartners vertreiben.
Beim Standarddepot sind die Effektivkosten auf maximal 1 Prozent begrenzt.
Das klingt zunächst wenig.
Über Jahrzehnte kann jedoch selbst ein Unterschied von wenigen Zehntelprozentpunkten einen erheblichen Einfluss auf das Endvermögen haben. Denn nicht nur die Kosten selbst fehlen, sondern auch die Rendite, die dieses Geld in den folgenden Jahren hätte erwirtschaften können.
Deshalb lohnt sich der Vergleich.
Kernfrage: Bin ich bereit, mich ausreichend mit Geldanlage zu beschäftigen, um selbst zu entscheiden?
Wer darauf mit Nein antwortet, für den kann ein Standarddepot trotz höherer Kosten eine vernünftige Lösung sein.
Wer sich selbst mit seiner Geldanlage beschäftigen möchte, sollte dagegen prüfen, welchen zusätzlichen Nutzen ein teureres Produkt tatsächlich bietet.
Ist selbst entscheiden die bessere Lösung?
Nicht automatisch.
Aber wer selbst entscheidet, muss sich zwangsläufig mit Investmentprodukten, Risiken und Kosten beschäftigen.
Und vor allem mit einer Frage, die kein Anbieter beantworten kann:
Kernfrage: Wie viel Risiko kann ich tatsächlich aushalten?
Ein Aktiendepot kann zwischenzeitlich massiv an Wert verlieren. Wer bei einem breiten Marktcrash und einem Minus von 40 Prozent nicht mehr ruhig schlafen kann, braucht möglicherweise einen größeren Sicherheitsbaustein.
Dabei sollte man allerdings das gesamte Vermögen betrachten – nicht nur das Altersvorsorgedepot.
Wer beispielsweise einen strategischen Anteil seines Vermögens in sicheren Anlagen hält, kann möglicherweise innerhalb des Altersvorsorgedepots einen höheren Aktienanteil verkraften.
Das bedeutet auch: Nur weil ein Standarddepot Aktien und risikoärmere Anlagen kombiniert, muss diese Aufteilung nicht für jeden Anleger optimal sein.
Reicht ein Welt-ETF?
Für viele Anleger könnte genau das die entscheidende Frage sein.
Ein breit gestreuter Welt-ETF enthält bereits Aktien von Hunderten oder sogar Tausenden Unternehmen aus zahlreichen Ländern und Branchen.
Ein zweiter oder dritter Aktien-ETF bedeutet deshalb nicht automatisch mehr Diversifikation.
Entscheidend ist vielmehr: Welches Risiko reduziert der zusätzliche ETF – oder welche zusätzliche Anlageidee bildet er ab?
Wer darauf keine klare Antwort hat, sollte sich fragen, warum er ihn überhaupt braucht.
Das ist keine Empfehlung für einen bestimmten ETF. Welche Indizes und Produkte geeignet sind, hängt unter anderem von Kosten, Diversifikation und persönlicher Risikotoleranz ab. Für konkrete Produktvergleiche verweise ich beispielsweise auf die Analysen der Finanztip-Redaktion.
Muss ich im Alter automatisch umschichten?
Das Standarddepot sieht vor, das angesparte Kapital vor Beginn der Auszahlungsphase schrittweise in den risikoärmeren Fonds umzuschichten, sofern der Anleger keine andere Aufteilung wählt.
Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Kurz vor dem Beginn der Entnahme kann ein großer Börsencrash besonders problematisch sein.
Aber daraus folgt nicht, dass mit einem bestimmten Alter automatisch ein bestimmter Aktienanteil richtig ist.
Denn mit dem Rentenbeginn endet der Anlagehorizont nicht.
Ein Entnahmeplan kann noch viele Jahre oder Jahrzehnte laufen. Wer sein Kapital zu früh sehr defensiv anlegt, reduziert zwar Schwankungen, verzichtet aber gleichzeitig auf Renditechancen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie alt bin ich?
Sondern: Wann brauche ich welchen Teil meines Vermögens ? Und welches Risiko kann ich bis dahin tragen?
Die richtige Aufteilung hängt deshalb von der individuellen Finanzplanung ab: von anderen Einkünften, sicherem Vermögen, der geplanten Entnahme und der persönlichen Risikotoleranz.
Fünf Fragen vor dem Altersvorsorgedepot 2027
Mit dem Start des Altersvorsorgedepots dürfte Wettbewerb zwischen Banken, Brokern und anderen Anbietern entstehen. Deshalb würde ich nicht automatisch das erste Angebot der eigenen Hausbank wählen.
Viel wichtiger ist, vor dem Produktvergleich die eigenen Kriterien festzulegen:
- Welche monatliche Sparrate kann ich dauerhaft tragen?
- Wie viel zwischenzeitlichen Verlust halte ich tatsächlich aus?
- Will und kann ich meine Anlageentscheidungen selbst treffen?
- Wie sieht mein Sicherheitsbaustein außerhalb der Altersvorsorge aus?
- Welchen konkreten Vorteil bringt mir ein weiterer ETF, wenn ein Welt-ETF bereits breit diversifiziert?
Wer diese Fragen beantwortet hat, geht anders in eine Beratung oder Produktauswahl.
Denn dann lautet die Frage nicht mehr: Welches Altersvorsorgedepot wird mir angeboten?
Sondern: Welches Altersvorsorgedepot passt zu der Entscheidung, die ich bereits getroffen habe?
